Genau an diesem Punkt setzt das adaptive Quellen an. Ein adaptiv quellfähiges Injektionsharz bleibt nach der Aushärtung nicht passiv. Kommt es erneut mit Wasser in Kontakt, nimmt es kontrolliert an Volumen zu und kann dadurch neu entstandene kleine Wasserwege wieder verschließen.
Das ist kein magischer Effekt und auch kein unbegrenztes „Selbstheilen“. Es ist das Ergebnis einer gezielt entwickelten Materialchemie.


Was bedeutet adaptives Quellen?
„Adaptiv“ bedeutet, dass ein Material auf veränderte Umgebungsbedingungen reagieren kann. Bei einem adaptiv quellfähigen Injektionsharz ist Wasser der auslösende Faktor.
Der Ablauf lässt sich vereinfacht in vier Schritte gliedern:
- Das flüssige Harz wird in einen Riss, eine Fuge oder einen Hohlraum injiziert.
- Es reagiert und bildet einen homogenen, elastischen Injektionskörper.
- Kommt das vollständig ausgehärtete Material später erneut mit Wasser in Kontakt, vergrößert es kontrolliert sein Volumen.
- Nimmt die Feuchtigkeit wieder ab, geht die Quellung in Richtung des ursprünglichen ausgehärteten Volumens zurück.
Dieser Vorgang ist reversibel und wiederholbar. Bei erneutem Wasserkontakt kann das Material wieder aufquellen. Es reagiert damit nicht nur einmal während der Aushärtung, sondern bleibt über die Nutzungsdauer hinweg wasseraktiv.


Warum ist diese Eigenschaft für die Bauwerksabdichtung so wichtig?
Ein herkömmliches starres Injektionsharz kann einen Riss zunächst vollständig ausfüllen. Bewegt sich das Bauteil später, können sich jedoch neue feine Trennstellen zwischen Harz und Rissflanke bilden. Auch innerhalb eines zu starren Injektionskörpers sind erneute Rissbildungen möglich.
Elastische Harze können Bewegungen besser aufnehmen. Ihre Dehnfähigkeit ist jedoch nicht unbegrenzt. Verändert sich der Rissquerschnitt oder entsteht ein kleiner neuer Wasserweg, reicht reine Elastizität nicht in jeder Situation aus, um die Dichtigkeit dauerhaft wiederherzustellen beziehungsweise beizubehalten.
Adaptives Quellen ergänzt die Elastizität um eine aktive Reaktion: Dringt Wasser in eine neu entstandene Fehlstelle ein, aktiviert es die Quellfähigkeit des Materials. Der Injektionskörper vergrößert lokal sein Volumen und übt einen kontrollierten Anpressdruck auf die umgebenden Flächen aus. Kleine wasserführende Wege können dadurch erneut geschlossen werden.
Das Material reagiert also genau dort, wo Wasser vorhanden ist – und genau dann, wenn diese Reaktion benötigt wird.
Quellen ist nicht Schäumen
Die Begriffe „Quellen“ und „Schäumen“ werden in der Praxis häufig verwechselt. Technisch beschreiben sie jedoch zwei grundlegend unterschiedliche Vorgänge.

Schäumen
Bei einer Schaumbildung entsteht während der chemischen Reaktion ein Gas. Dieses Gas bildet Zellen und Poren im Material. Das Volumen nimmt stark zu, gleichzeitig entsteht eine mehr oder weniger offen- oder geschlossenzellige Schaumstruktur.
PU-Schäume sind insbesondere für den schnellen Wasserstopp sehr wertvoll. Ihre Expansion findet jedoch im Wesentlichen während der Reaktion und Aushärtung statt. Ist der Schaum vollständig ausgehärtet, lässt sich dieser ursprüngliche Expansionsvorgang nicht wiederholen.
Quellen
Beim Quellen entsteht kein Gas und keine Schaumstruktur. Das bereits ausgehärtete Material nimmt bei Wasserkontakt kontrolliert an Volumen zu. Es bleibt dabei homogen und porenfrei.
Der Unterschied ist für die Dauerhaftigkeit relevant:
- Schaum besitzt eine Zellstruktur.
- Ein quellfähiger Injektionskörper bleibt homogen.
- Schäumen ist vor allem ein Vorgang während der Reaktion.
- Adaptives Quellen wird durch späteren Wasserkontakt erneut aktiviert.
- Die Quellung ist reversibel und kann sich wiederholen.
Wir bieten mehrere adaptiv quellende Injektionsharze an. Hier erklären wir den Effekt am Beispiel des 1-K-Harzes HydroBloc® Integral 575.
HydroBloc® Integral 575 bildet bei Wasserkontakt keinen Schaum. Nach der Aushärtung entsteht ein elastischer, homogener und porenfreier Harzkörper, der bei erneutem Wasserkontakt kontrolliert quellen kann.

Bis zu 120 % Quellung nach der Aushärtung
Bei HydroBloc® Integral 575 kann die Volumenzunahme nach 72 Stunden Wasserkontakt bis zu 120 % betragen. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt: Die Quellung erfolgt am bereits vollständig ausgehärteten Material.
In Vergleichsversuchen lässt sich dieser Effekt anschaulich darstellen. Zwei identische, ausgehärtete Proben besitzen zunächst dasselbe Volumen. Eine Probe wird anschließend Wasser ausgesetzt, während die zweite als unveränderte Referenz dient. Nach 72 Stunden zeigt die wasserbelastete Probe eine deutliche Volumenzunahme, ohne eine porige Schaumstruktur zu bilden.
Die Angabe „bis zu 120 %“ beschreibt keine unkontrollierte Expansion. Die tatsächlich erreichbare Quellung hängt unter anderem von der Wasserverfügbarkeit, der Temperatur, der Geometrie des Injektionsraumes und dem umgebenden Widerstand ab. Im Bauteil wird die freie Volumenzunahme durch die Rissflanken begrenzt. Dadurch entwickelt das Material einen kontrollierten Anpressdruck innerhalb des abzudichtenden Bereichs.

Reversibel – aber niemals kleiner als das ursprüngliche Volumen
Wenn die Wasserbelastung zurückgeht, nimmt auch die Quellung wieder ab. Das Material kehrt in Richtung seines ursprünglichen ausgehärteten Volumens zurück. Dieser Vorgang ist reversibel: Bei erneutem Wasserkontakt kann das Harz wieder quellen.
Dabei ist ein wichtiger Punkt zu beachten: Das ausgehärtete Harz enthält selbst kein Wasser. Die durch Wasserkontakt ausgelöste zusätzliche Quellung kann beim Trocknen zurückgehen, das Material schrumpft jedoch nicht unter sein ursprüngliches ausgehärtetes Ausgangsvolumen. Das ist der wesentliche Unterschied zu Gelen: Diese enthalten Wasser und können bei Trockenheit unter ihr Ausgangsniveau schrumpfen. Deshalb werden Gele weder in Fugen noch in Rissen empfohlen, die nicht dauerhaft feucht sind.
Vereinfacht bedeutet das:
- Ausgangspunkt ist der vollständig ausgehärtete Injektionskörper.
- Wasserkontakt aktiviert die zusätzliche Volumenzunahme.
- Beim Trocknen geht das Material in Richtung des Ausgangsvolumens zurück.
- Das ursprüngliche ausgehärtete Volumen wird nicht unterschritten.
- Bei erneutem Wasserkontakt beginnt der Quellvorgang erneut.
Diese Wiederholbarkeit unterscheidet adaptiv quellfähige Harze von Materialien, deren Expansion ausschließlich während der einmaligen chemischen Reaktion erfolgt.
Der Selbstheileffekt – eine hilfreiche, aber erklärungsbedürftige Bezeichnung
Adaptives Quellen wird häufig als „Selbstheileffekt“ bezeichnet. Der Begriff macht die Funktionsweise anschaulich, sollte technisch jedoch richtig eingeordnet werden.
Der Selbstheileffekt bezieht sich ausschließlich auf die Abdichtungsfunktion: Entstehen durch kleine Bewegungen neue wasserführende Wege, kann eindringendes Wasser die erneute Quellung aktivieren. Das Material vergrößert sein Volumen und unterstützt dadurch das Wiederverschließen dieser feinen Wege.
Präziser wäre daher die Bezeichnung „wasseraktivierter, reversibler Nachdichtungseffekt“.
Fazit: Eine Abdichtung, die auf Wasser reagieren kann
Adaptives Quellen erweitert die klassische elastische Rissabdichtung um eine aktive, wasserabhängige Funktion. Das ausgehärtete Harz bleibt homogen und porenfrei. Bei erneutem Wasserkontakt nimmt es kontrolliert an Volumen zu und kann kleine neu entstandene Wasserwege wieder verschließen.
Der Quellvorgang ist reversibel und wiederholbar. Beim Trocknen geht das Material in Richtung seines ursprünglichen ausgehärteten Volumens zurück, ohne dieses zu unterschreiten. Damit reagiert die Abdichtung nicht nur während der Verarbeitung, sondern auch später auf wechselnde Feuchtigkeitsbedingungen im Bauwerk.
HydroBloc® Integral 575 verbindet diesen adaptiven Quelleffekt mit einem nicht schäumenden, elastischen 1-Komponenten-PU-Injektionsharz. Das macht es zu einer vielseitigen Lösung für Risse, Arbeitsfugen, Kiesnester, Injektionsschläuche und zahlreiche weitere typische Abdichtungsaufgaben.
Adaptives Quellen im Video erklärt
In unserem Video zeigen wir, was adaptives Quellen bedeutet und warum adaptive, quellfähige Harze einen wichtigen Fortschritt für die sichere Bauwerksabdichtung darstellen:
Warum diese Harze entscheidend für eine sichere Abdichtung sind – Video ansehen
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